Wohlfahrtskonsequentialismus: Maximierung des Wohlergehens aller
Grundüberzeugung:
Worauf es ankommt ist das Niveau des Wohlergehens von Menschen (oder „sentient beings“). Die von den alternativen Ansätzen genannten Werte, also Gleichheit, Optimierung der Position der Schlechtestgestellten, moralischer Verdienst und auch Freiheit sind zweitrangig.
1. Zweck der Moral ist, die Welt besser zu machen.
Sozialreformen des frühen Utilitarismus (Benthams Einsatz für die Strafrechtsreform: Resozialisierung statt Retributionismus)
2. Der Moral geht es um gute Konsequenzen, nicht um gute Intentionen.
3. Wir sollen tun, was immer den größten Gewinn (i.e. intrinsischen Wert) für die Menschheit als Ganze hat.
Definition von „well-being“: was heißt gut? Spezifisch moderne Diskussion des Guten
Viele Dinge haben instrumentellen Wert, d.h. sie haben Wert als Mittel zur Realisierung anderer Werte.
Es muss Dinge geben, die nicht bloß instrumentell wertvoll, sondern die an und für sich wertvoll sind. Diese nennen wir intrinsische Werte. (Intrinsisch: etwas hat seinen Wert in sich selbst und wird nicht um eines anderen Zieles willen angestrebt.)
Was ist intrinsisch wertvoll? Vier Antworten von Utilitaristen:
a) Lust (pleasure) – Jeremy Bentham (1748-1832)
b) Glück (happiness) – John Stuart Mill (1806-1873)
c) Ideale (ideals) – G. E. Moore (1873-1958)
d) Präferenzen (preferences) – Kenneth Arrow (geb. 1921, Nobelpreis für Ökonomie 1972)
4. Der Traum des Utilitarismus: Wissenschaftliche Ethik
Jeder Handlung lässt sich ein exakt berechenbarer Wert zuordnen.
Beispiel: Einrichtung einer Tagesschule
Vorgehen: a. Wer ist betroffen? b. Wie ist die Person betroffen, gut oder schlecht?
Der utilitaristische Kalkül
Wie berechnen und bewerten Utilitaristen die Konsequenzen von Handlungen?
Einheiten von Konsequenzen können positiv und negativ sein. Sie sind danach definiert, was als intrinsich wertvoll gilt.
Für jede Handlung ist zu berechnen:
1. Wie viele Menschen von ihr betroffen sind, negativ und positiv.
2. Wie stark sie betroffen sind.
3. Entsprechende Berechnung für alle offen stehenden Alternativen
4. Die Handlung ist zu wählen, die insgesamt die größte Nutzenmenge erzielt (positive Konsequenzen abzüglich der negativen)
Probleme der Quantifizierung
- Lust und Präferenzerfüllung sind leichter zu messen als die Erfüllung von Idealen oder Glück. Kann alles quantifiziert werden?
- Sollen Präferenzen mit Blick auf andere berücksichtigt werden?
- Lässt sich der Nutzen aus unterschiedlichen Gütern vergleichen? Sind quantifizierbare Güter notwendig kommensurabel? John Stuart Mill: „Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein.“
- Sind interpersonale Nutzenvergleiche möglich (und mit Blick auf unterschiedliche Güter?)
Probleme der Umsetzung der utilitaristischen Theorie
Um zu entscheiden, wie wir handeln sollen oder welche politische Massnahme wir umsetzen sollen, müssen alle Alternativen detailliert untersucht werden. Für jede Massnahme ist festzustellen,
- zu welcher Verteilung von Gütern sie führt
- Wer wie betroffen ist (wenn die Nutzenfunktionen der Individuen variieren)
- der Nutzen jeder betroffenen Person
Angesichts der nötigen Menge an Informationen ist dies ohne weitgehende Annahmen eine unmögliche Aufgabe. Je nach Annahmen differieren die Ergebnisse.
Kritik des Utilitarismus
- Verantwortung: Sind und inwiefern sind wir verantwortlich für das Handeln anderer?
- Integrität: Können wir richtig im utilitaristischen Sinne handeln und uns, unseren tiefsten Überzeugungen und wichtigsten Projekten treu sein?
- Intentionen: Sind und inwiefern sind Intentionen moralisch bedeutsam?
- „Moral Luck“: Ist es sinnvoll, den moralischen Wert von Handlungen an ihren Konsequenzen zu messen?
Utilitarismus und Gerechtigkeit
Deontologische Kritik am Utilitarismus:
- Nimmt die Getrenntheit von Personen nicht ernst: Was klug sein mag für Individuen kann ungerecht sein für Gesellschaften
- Die Position ist unvereinbar mit der Zuschreibung von moralischen Individualrechten. Denn diese beanspruchen richtig verstanden Geltung unabhängig davon, welche Konsequenzen ihre Beachtung für das Wohlbefinden anderer unter den jeweiligen Handlungsbedingungen hat. Gerechtigkeitsansprüche gründen sich auf moralischen Individualrechten. Deshalb kann der Utilitarismus Gerechtigkeitsansprüche in diesem Sinne nicht ausweisen (Bsp.: darf der Unschuldige bestraft werden, um mittels Abschreckung Verbrechen zu vermeiden? Totenbettversprechen)
- Distributive Gerechtigkeit/faire Verteilung der Grundgüter ist selbst intrinsisch wertvoll
Mittwoch, 25. April 2007
Montag, 16. April 2007
Gut kommentierte Primärtexte:
Ethik Lehr- und Lesebuch. Texte - Fragen - Antworten. Herausgegeben von Robert Spaemann und Walter Schweidler. Stuttgart: Klett-Cotta 2006
Das Buch eignet sich gut zur weiteren Lektüre zusätzlich zum Skript.
Das Buch eignet sich gut zur weiteren Lektüre zusätzlich zum Skript.
Sonntag, 15. April 2007
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Bedingungen für den Leistungsnachweis
-regelmässige Teilnahme an der Veranstaltung
-Ablegen des schriftlichen Tests am 21. Mai 2007
-kurze schriftliche Arbeit: Interpretation eines Beispiels unter Verwendung des in der Veranstaltung erarbeiteten begrifflichen Vokabulars; Umfang: 2-3 Seiten; Abgabe: bald im Semester, spätestens am 18. Juni 2007, als Ausdruck persönlich in der Veranstaltung oder mit dem Vermerk „für Barbara Reiter“ in das Fach von Hektor Leibundgut legen
-Ablegen des schriftlichen Tests am 21. Mai 2007
-kurze schriftliche Arbeit: Interpretation eines Beispiels unter Verwendung des in der Veranstaltung erarbeiteten begrifflichen Vokabulars; Umfang: 2-3 Seiten; Abgabe: bald im Semester, spätestens am 18. Juni 2007, als Ausdruck persönlich in der Veranstaltung oder mit dem Vermerk „für Barbara Reiter“ in das Fach von Hektor Leibundgut legen
Inhaltsübersicht
Montag, 16. April 2007
Willensfreiheit und Verantwortung
(Skript Kapitel 5)
Montag, 23. April 2007
Ethische Begründung 1: Das grösstmögliche Glück aller - Utilitarismus
(Skript Kapitel 7.3)
Montag, 30. April 2007
Ethische Begründung 2: Achtung und Würde - Kants Moralphilosophie
(Skript Kapitel 6)
Montag, 7. Mai 2007
Ethische Begründung 3: Gerechtigkeit und gutes Leben
John Rawls und Martha Nussbaum (Skript Kapitel 7.2 und 6.2)
Montag, 14. Mai 2007
Moralentwicklung - Prinzipien und Schritte ethischer Urteilsfindung
(Skript Kapitel 10)
Montag, 21. Mai 2007: Test
Montag, 4. Juni 2007
Noch einmal: Verantwortung und Begründung, Intersubjektivität
(Skript Kapitel 8 und 11)
Montag, 11. Juni 2007
Moral und soziale Evolution - Verwindungen der Kommunikation
Über die soziale Prägung von Moralen (Skript Kapitel 13)
Montag, 18. Juni 2007
Solidarität und Menschenrechte
(Skript Kapitel 12)
Montag, 25. Juni 2007
Abschlussdiskussion: Hektor Leibundgut
Willensfreiheit und Verantwortung
(Skript Kapitel 5)
Montag, 23. April 2007
Ethische Begründung 1: Das grösstmögliche Glück aller - Utilitarismus
(Skript Kapitel 7.3)
Montag, 30. April 2007
Ethische Begründung 2: Achtung und Würde - Kants Moralphilosophie
(Skript Kapitel 6)
Montag, 7. Mai 2007
Ethische Begründung 3: Gerechtigkeit und gutes Leben
John Rawls und Martha Nussbaum (Skript Kapitel 7.2 und 6.2)
Montag, 14. Mai 2007
Moralentwicklung - Prinzipien und Schritte ethischer Urteilsfindung
(Skript Kapitel 10)
Montag, 21. Mai 2007: Test
Montag, 4. Juni 2007
Noch einmal: Verantwortung und Begründung, Intersubjektivität
(Skript Kapitel 8 und 11)
Montag, 11. Juni 2007
Moral und soziale Evolution - Verwindungen der Kommunikation
Über die soziale Prägung von Moralen (Skript Kapitel 13)
Montag, 18. Juni 2007
Solidarität und Menschenrechte
(Skript Kapitel 12)
Montag, 25. Juni 2007
Abschlussdiskussion: Hektor Leibundgut
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